Wie eine Vermittlung NICHT laufen sollte ...
oder: "Tausche (vermeintliche) Freundin gegen Traumhund"!


Es ist Donnerstagabend, der 22. Mai 2014. Ich sitze bei brütender Hitze in der Bildungsstätte der BG ETEM in Eppstein/Taunus in meinem Zimmer und lasse den Tag ausklingen. Freue mich auf Freitag, weil dann mein Seminar und meine Ausbildung endet. Bin gut gelaunt, weil ich die Prüfungen erfolgreich hinter mich gebracht habe.

Da ruft die "Chefin" des Tierschutzvereins an, über den Nonna als Pflegehund zu uns kam. Smalltalk. Irgendwann sagt sie, dass es eine Anfrage für Nonna gibt und mir rutscht das Herz in die Hose. Sie erzählt mir von der tollen Anfrage einer Familie mit Haus und großem Garten, mit einem Spinonerüden und einem Terrier. Ich schlucke. Mein Tag ist gelaufen und ich habe absolut keine Lust auf ein Telefonat mit dieser Familie.

Die gesamte Nacht und auch während des letzten Seminartages am Freitag sowie bei der Heimfahrt sind meine Gedanken bei Nonna. Sie hat sich in den letzten vier Monaten super bei uns eingelebt, ist nicht gesund, wenngleich auch munter und frech und süß. Aber wäre es tatsächlich korrekt, ihr noch einmal einen Umzug zuzumuten? So schön das Zuhause auch sein mag. Wir haben sie sehr lieb, sie kommt mit Zampa, Mila und Morando klar und dank Ende meiner Ausbildung steht nun auch wieder der normale Alltag an. Unser Garten ist klein, aber Nonna liegt bei Wärme eh lieber im Haus und bei Regen sowieso.

Maximilian hatte mir längst mitgeteilt, dass er Nonna keinesfalls mehr hergeben möchte *g* und ich kann ihn gut verstehen. Allerdings haben wir bereits einen chronisch kranken Hundesenior und insgesamt vier Hunde, davon zwei alte und kranke Tiere, ist einfach ein Kostenfaktor, den man bei aller Hundeliebe nicht außer Acht lassen darf. Das war dem Verein auch von Anfang an bekannt.

Letztlich haben wir uns dann aber noch am Freitag dafür entschieden, dass Nonna für immer zu unserer Familie gehören soll. Am Freitagabend habe ich der Vereinsvorsitzenden nur eine Mai geschickt, dass ich die Interessentin noch nicht angerufen habe und erst am Samstagfrüh bekam der Verein den offiziellen Adoptionsantrag. Kurz darauf kam das OK vom Verein, woraufhin ich die Schutzgebühr für Nonna überwies und die Unterlagen (Schutzvertrag, Versicherung, Steuer, Tasso) fertigstellte.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Bei Facebook hatte ich am Donnerstag bereits die Info eingestellt, dass Nonna eine Anfrage hat und der Zuspruch, sie doch zu übernehmen, war enorm. Aber auch die kritischen Stimmen derer, die wissen, welche Kosten und welche emotionale „Belastung“ alte Hunde bedeuten.  Das war das Eine.

Am Freitag gelangte plötzlich eine Mail zu mir, die mich zutiefst erschütterte. Die Vereinsvorsitzende hatte am Anfang der Woche, am Montagabend nämlich, Nonna als Notfall über einen Tierschutzverteiler geschickt. Der Text 1:1 von der Homepage übernommen. Kein Wort davon, dass Nonna im April nur knapp überlebte, als ihre Leberwerte 15fach erhöht waren und sie unter extremer Gelbsucht litt. Kein Wort darüber, dass seit Wochen die Werte der roten Blutkörperchen sinken, Nonna teils nicht fressen wollte, Fieber hatte, ruhiger war. Klar, das hatte die Vereinsvorsitzende ja lapidar mit „Sie hat keine Mittelmeerkrankheit“ abgetan. Aber wir kennen die Anzeichen und da Nonna ein Zeckenmagnet ist, wollten wir nichts riskieren und sprachen die Behandlung (die auf unsere Kosten durchgeführt wurde/wird) mit unserem Tierarzt ab.

Als ich vor Abfahrt ins Seminar die Blutwerte noch mal kontrollieren lassen wollte, um zu sehen, ob das Doxy hilft, hieß es auch, dass ich mit dem Bluttest warten soll, falls "sie in zwei Wochen wieder anfängt". Auf meine Frage, WAS wieder anfangen soll, wurde mir nicht geantwortet. Allerdings wurde geplant, Nonna ggf. am Freitag vor meinem Seminar in die Klinik zu bringen, sollte das Fieber nicht zurückgehen, was es dann glücklicher Weise am Mittwoch tat. Und eben auch der Bluttest am Samstag war erfreulich. Die Werte der Blutgerinnung, die zuvor extrem niedrig waren, waren wieder im grünen Bereich und auch die Werte der roten Blutkörperchen hatten sich verbessert. Dennoch kostet der Bluttest Geld und auch die Medikamente und ein Klinikaufenthalt hätte das Budget des Vereins natürlich besonders belastet.

Kein Wunder also, dass quasi aus dem Nichts plötzlich diese Interessentin auftauchte. Und ich hatte mir noch gedacht, warum eigentlich Jemand einen 14,5 Jahre alten, kranken Hund von einer Pflegestelle adoptieren möchte. Ist aus meiner Sicht absolut unlogisch und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine.

Aber davon kein Wort in den Mails der Vereinsvorsitzenden, im Gegenteil. „War doch klar, das da irgendwann mal ne schöne Anfrage kommt ....“ und „Da musst net Frust schieben, wenn Nonna ne Anfrage hat .....das ist doch ganz normal, das das mal kommt ....“ usw. KEIN WORT darüber, dass sie Nonna loswerden will, weil bei Nonna schon Kosten in Höhe von mehreren Hundert Euro angefallen sind und es dabei vermutlich nicht bleiben wird.

Eine befreundete Tierschützerin, bei der ebenfalls ein Hund dieses Vereins lebt, schlug noch vor, die eigene Pflegehündin den Interessenten anzubieten. Darauf ging die Vereinsvorsitzende gar nicht ein. Mittlerweile ist mir klar, warum. Denn die Hündin verursacht nach ihrer OP und der Nachkontrolle keine Kosten mehr, Nonna mit großer Wahrscheinlichkeit schon.

Aus Sicht einer Vereinsvorsitzenden ist das Handeln auch absolut in Ordnung. Aber dass sie mich, ihre Freundin, so hinterhältig linkt, so mies behandelt und mich so in die Enge treibt, nicht mit offenen Karten, sondern so ein perfides „Spiel“ mit mir und Nonna spielt und mich gleichzeitig noch einschleimend zum Grillabend einlädt … nein, das ist unter aller Sau. Verabscheuungswürdig und widerwärtig ohne Ende. Selten hat mich ein Verhalten eines Menschen so tief verletzt!

Aber ich lerne daraus. Nonna und wir gehören zusammen, daran wird sich nichts ändern. Aber Nonna wird definitiv der letzte Pflegehund gewesen sein, der bei uns eingezogen ist. Wenn irgendwann, in vielen Jahren, erneut ein alter und gerne auch kranker Hund bei uns einziehen wird, dann 1000pro nicht als Pflegehund.

Mit etwas gutem Willen hätte sich eine Lösung gefunden, die allen gerecht worden wäre: Dem Verein, mir und vor allem auch Nonna. Aber das war nicht das Ziel der Vereinsvorsitzenden. Ihr Ziel war, diesen alten, derzeit kranken Hund loszuwerden und da auf normalem Weg keine Anfrage kam, hat sie eben heimlich etwas nachgeholfen.

Und plötzlich heißt es auch, dass mir gegenüber angeblich immer kommuniziert wurde, dass Nonna nicht als Dauerpflegehund bleiben kann. Davon weiß ich zwar nichts, aber was solls. Lieber nimmt man den Umzug eines so alten Hundes in Kauf. Für mich bedeutet der Import eines Hundes lebenslange Verantwortung. Für mich als Pflegestelle und für mich als Privatperson, denn ich gehöre keinem Verein an. Aber ich erwarte von jedem Verein, dass er sich dieser lebenslangen Verantwortung stellt und vor allem vorrangig immer zum Wohl des Hundes handelt.

Für mich persönlich war diese Aktion äußerst lehrreich und letztlich habe zwar eine vermeintliche Freundin verloren, aber dafür Nonna, eine wahrlich traumhafte Hundeomi bekommen. Ein sehr guter Tausch, wie ich finde.

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